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Glasmalerei - Berner Atelier Martin Halter in der Stadt Bern 'ART IN MARTIN' - gegründet 1916

Berns älteste Glasmaler-Familientradition der Gegenwart wurde intern soeben umstrukturiert (- Ende Juni 2020). Weiterhin, werden die Aktivitäten in leicht veränderter Form (betr. Angeboten) für Interessenten dieser Kunstform hochgehalten. Insbesondere werden Reparaturen und Wartungsarbeiten an bestehenden, aber in Mitleidenschaft gezogenen Glasmalereien und Bleiverglasungen umgesetzt und ausgeführt. Dies beinhaltet ebenso die Arbeit von Restaurierungsmassnahmen. Die Beratung von Schutz- /Sicherungsmassnahmen in Zusammenhang mit der Repräsentation dieser Kunstform und Projektbegleitung. Bei grösseren Sanierungsmassnahmen bleibt ebenso der verarbeitungstechnische Support durch ein mir nahestehendes Glasatelier gesichert. Falls Sie Fragen zu diesem Thema haben, erreichen Sie mich unter https://www.glasmalkunst.ch/kontakt In den letzten Jahren haben öffentliche Institutionen für ihre Sammlungen Kunstwerke, Dokumentationen, Fotounterlagen, Farbentwürfe, Scheibenrisse u.v.a.m. aus diesem traditionsreichen Atelier übernommen: Schweizerisches Landesmuseum SNM, Zürich, BHM Bern. Historisches Museum, Burgerbibliothek Bern, Berner-Design-Stiftung, Schwez. Schützenmuseum Bern, Vitromusée Romont, Musée ARIANA Genf, etc..

Das Glasmaler-Kulturerbe wird in seiner Ganzheit zusätzlich bedroht?

Veröffentlicht am 27. März 2022 von Glasmaler-Kulturerbe Martin Halter Bern in reparaturen, Kirchenfenster, Bleiverglasung, Glasmalerei, Antikglas, Atelier, Entwurf, Farbfenster-Gestaltung, Glaskunst, restaurieren, unterhalt, wappenscheiben, glasmalerische Kopien

https://www.linkedin.com/pulse/eine-realität-die-glasmalerei-wird-nicht-einzig-und-martin?trk=prof-post

Bevor man eine Schädigung am betreffenden Objekt analysiert hat und die genauen Erkenntnisse über die Umstände noch ungeklärt bleiben, möchte man aber bereits die Auflagen für eine Instandstellung oder Sicherung im Voraus festgelegt haben: insbesondere die Annahme, welche im Interesse eines schützenswerten Objektes zu erfolgen hätten, wären grundsätzlich nach dem Motto - nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich – auszuführen. Unter einer solch widersprüchlichen Doktrin, wurden in der Vergangenheit und bis heute, oftmals sehr fragwürdig ausgerichtete Massnahmen in die Wege geleitet und durch Historiker begleitend angeordnet. Aber leider nicht selten zum Nachteil einer schützenswerten Glasmalerei oder Bleiverglasung. Weil bei den jeweiligen Realisierungen, selbst prioritär zweckdienliche Massnahmen unterlassen oder ganz einfach vergessen wurden.

An vorderster Front zeigen sich in der Praxis immer wieder neue Beispiele, wie durch vorschnelle Entscheidungen, ohne auf praxiserprobte Verbindlichkeit zu achten, sich nach relativ kurzer Zeit erneut eine zwingende Korrekturmassnahme aufdrängt. Eine solch zu überprüfende Notwendigkeit steht daselbst meistens nicht mehr im Vordergrund, denn nach Abschluss einer ausgeführten Sicherungs- oder Restaurationsmassnahme wurde ja eine datierte Dokumentation erstellt und archiviert. Welche nun als Nachweis ausreichen sollte, sich um dieses Objekt nicht mehr sonderlich kümmern zu müssen.

Das komplexe Thema zum Erhalt und zur Sicherung von historischen Erzeugnissen der originalen Glasmalkunst, steht durch verschiedene falsch verstandenen Gegebenheiten und in-/offiziellen Verlautbarungen unter Druck. Das Hauptproblem an einer gefährdeten oder ungesicherten Original-Substanz wird meistens durch eine ungenügend ausgerichtete Sensibilität im praxisnahen und ganzheitlichen Denken überschattet.

Die Konstellation von Mitgliedern, innerhalb einer zusammengesetzten Entscheidungs-Kommission zu Restaurationsauflagen und – vorgaben, übernimmt jeweils eine zentrale Rolle in der Verantwortung wahr. Jedoch im Falle eines durch die Kommission beantragten Fehlentscheides, worauf sich in kurzer Zeit, wieder eine neue negative Veränderung an der Original-Substanz zeigen kann, bleiben die meisten verantwortlichen Exponenten für die Öffentlichkeit unerkannt und niemand wird sie je dafür belangen. Passend dazu zitiere man die Aussage eines Historikers: „Fehlentscheide seien immer auch als herangewachsenes Ding in der Historie in Betracht zu ziehen.“

Anstatt den Ursächlichkeiten dieses unrühmlichen Zustandes nachzugehen, begnügt man sich in diesem Zusammenhang auf der Basis von Halbwahrheiten zu verharren, um sich jeweils weiterhin mit seiner eigenen Beliebigkeit arrangieren zu können. Das heisst, der Willkür bleiben Tür und Tore weit offen, sich jeweils entsprechend seiner Tagesform bei anstehenden Entscheidungen mit einzubringen.

Niemand will wahrhaben, dass diese von mir umschriebenen Zustände mehrheitlich dem aktuellen Zeitgeist entspricht, was gleichsam für die Original-Substanzen bedeutet, dass diese somit einer zusätzlich latenten Bedrohung, neben den uns bereits bekannten prozessualen Alterungen ausgesetzt verbleiben.

Die Distanz zum (Kunst-)Handwerk vergrössert sich zusehends mehr. Durch eine überproportionale Verwissenschaftlichung im Restaurationsbereich vieler Kunsthandwerke - aus eigener Erfahrung, insbesondere auch bei schützenswerten Glasmalereien - wird der für die Sicherstellung und der für den Erhalt zuständige Glasmaler und Kunstglaser zunehmend mehr ausgegrenzt. So möchte man sich in der Tendenz - bei einer in Mitleidenschaft gezogenen Glasmalerei - bloss mit einer Bricolage begnügen, um so eine vermeintliche Sicherstellung zu erwirken und will glauben, dass nun alles in bester Ordnung sei.

In der Bedeutung von Bricolage wäre hier einmal mehr anzumerken, wie dies zu verstehen ist: „Basteln, Heimwerken, auf eigene Faust kleinere Reparaturen ausführen.“ -

Bricoleur als Gegenbegriff zum Ingenieur verwendet, um damit zwei unterschiedliche Denkansätze im Umgang mit Kultur zu kennzeichnen: während der Ingenieur planmässig und rational an seine Arbeit geht, und die richtigen Spezialwerkzeuge einsetzt, nimmt der Bricoleur-Bastler alles, was ihm irgendwie zuhanden ist, um es zu seinen Zwecken als Werkzeug umzufunktionieren und einzusetzen, ohne sich um die Verwendung, die den Teilen eigentlich zugedacht war, zu scheren.

Somit verbleibt heute auch die Glasmalerei zunehmend einer ungewissen Zukunft ausgesetzt und niemand will dafür die Verantwortung übernehmen, wie sich eben die berufsspezifischen Aussichten und Gegebenheiten heute darzustellen vermögen und weiterentwickeln.

Was ebenso zu ergänzen bleibt: dem vermeintlichen Nachwuchs, wurde aus falsch verstandenen Sozialisierungsmassnahmen (an den Berufsschulen und teilweise in den Werkstätten), die Bewilligung zur unabhängigen Ausbildung zum Kunstglaser vor zirka 2 Jahrzehnten entzogen. Der Berufsauswahl will man Grenzen setzen, um das Spezifische zu kanalisieren und möglichst flach zu halten. So hatten sich die Verantwortlichen der Berufsbildung entschieden: in der noch z.Z. möglichen Berufslehre zum Glasmaler – innerhalb 4 Jahren - würde man einfach auf die Schnelle die Lernziele des Kunstglasers (gilt heute nicht mehr als Berufslehre) auch noch unterjubeln und anhängen.

Wie merkwürdig sich dies doch vernehmen lässt: die vormals separaten Berufsausbildungen - zum Kunstglaser dauerte 3 Jahre und die des Glasmalers 4 Jahre. Lernte man beide Berufe nacheinander, wurde dem Lernenden bei der zweiten Lehre eine Kürzung von 1 – 2 Jahren gewährt. Was sich durchaus bestens bewährte.

Durch einen solchen Entscheid wurde der Berufsstand bewusst in seiner Selbstbehauptung geschwächt. Heute werden in der ganzen Schweiz aktuell noch 3 - 6 Lehrverhältnisse zum Glasmaler (auf 4 Lehrjahre verteilt) registriert.

Die meisten Historiker-/Innen der Gegenwart setzen sich auf den Standpunkt, die noch vorhandenen Berufsleute im Bereich von Glasmalerei /Bleiverglasung (oder Kunsthandwerk im Allgemeinen), hätten sich vordringlich als Befehlsempfänger bei anstehenden Problemen anzubieten, um einzig ihren Empfehlungen – ohne wenn und aber – beflissentlich nachzukommen und diese umzusetzen.

Ein selbstständiges Engagement und Beurteilungsvermögen eines Berufs-Glasmalers soll bei lösungsorientierten Entscheidungen (innerhalb einer Kommission) für Sicherungsmassnahmen an originaler Substanz nicht mehr von Bedeutung sein. Mit anderen Worten, sollte sich heute ein bestens ausgewiesener Glasmaler, mit einer langjährigen Erfahrung, einer für ihn unzulänglichen Direktiven zu Sanierungsmassnahmen eines Historikers widersetzen, würde dieser einfach von den Referenzlisten gestrichen oder allenfalls würde ihm sogar ein Auftrag entzogen, selbst wenn seine berechtigte Kritik oder sein Änderungsvorschlag für eine bevorstehende Sanierung der Wahrheit entspräche.

Leider verhindert derzeit das personifizierte hierarchische Denken eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe - zwischen dem zuständigen Historiker (oder der Wissenschaft) und dem ausführenden Glasmaler - gemeinsam eine Aufgabenerfüllung erfolgreich zu erzielen.

http://www.glasmalkunst.ch

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